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AQAP Managementbriefing

  • Feb 17
  • 4 min read

Die Geopolitik ist dynamisch, der Ukraine-Konflikt und damit die Bedrohung von Europa dauert an, die Art der Kriegführung hat sich geändert. Es wird viel investiert im Verteidigungsbereich, Europa muss wieder selbst verteidigungsfähig werden und braucht - vor allem modernes - Verteidigungsgerät. Es gibt zu tun bei Entwicklung und Produktion sowie bei Strukturen, Entscheidungen müssen getroffen werden und alles muss schneller gehen als bisher üblich. Die Industrie steht unter Druck in der Rezession, sie will ihre Produktion auslasten und kann wesentlich umfangreicher als Lieferant auftreten als bisher. Dazu müssen einige Fakten geklärt sein.



Teil1: Was ist AQAP und warum?


In Projekten der Verteidigungsindustrie geht es meist um langfristige Projekte, die 20 Jahre oder länger dauern können, außerdem gelten hohe Anforderungen an die Funktionsfähigkeit im Feld, auf dem Wasser oder in der Luft.


Vereinfacht formuliert: Ein Kampfjet kann bei einer Fehlermeldung nicht mal schnell in den Heimatflughafen zur Inspetion und der Panzerfahrer kann schlecht den ADAC rufen, wenn sein Panzer liegen bleibt im Gefecht.


Die Lieferfähigkeit und durchgängig stabile Qualität stehen im Vordergrund. Das reine Volumen und die Budgets sind oft beachtlich. Daher hat die NATO – ergänzend zur ISO 9001 – Anforderungen entwickelt, die in den Allied Quality Assurance Publication (AQAP) zusammengefasst sind. Die Aufträge sind für die beteiligten Lieferanten wichtig für das Wachstum und den Bestand des Unternehmens, aber man muss die AQAP-Vorgaben zum Qualitätsmanagement erfüllen.


Die Entscheidungsoption für das Management ist daher meist nicht „Machen wir AQAP?“, sondern „Wie integrieren wir AQAP systematisch in unser Managementsystem – oder reagieren wir projektweise?“


Beides hat Vor- und Nachteile, aber ohne AQAP geht es nicht und die Einhaltung wird vom Auftraggeber überprüft. In Projekten nach AQAP 2110 genügt es nicht, ein bestehendes Qualitätsmanagement nach ISO 9001 vorzuhalten, es muss ergänzt werden, denn AQAP-Prüfungen folgen einer klaren Logik: Auditoren prüfen die vollständige Nachweiskette – von der Anforderung über Planung, Umsetzung, Prüfung und Freigabe bis hin zu Abweichungen, Korrekturmaßnahmen und Lieferung. Entscheidend ist nicht die Existenz von Dokumenten, sondern die Beherrschung der Abläufe.


Typische Risiken ohne gezielte Vorbereitung sind:

  • Unklare Freigabeverantwortung

  • Mehrere gültige Versionen im Umlauf

  • Fehlende Rückverfolgbarkeit von Anforderungen

  • Unstrukturierte Abweichungsbearbeitung

  • Schwach gesteuerte Lieferanten


Diese Punkte werden in der Prüfung als mangelnde Prozessbeherrschung gewertet und der Anbieter besteht die Prüfung nicht. Der Auftrag kommt erst nach einiger Nacharbeit viel später oder gar nicht mehr und wird anderweitig vergeben.


Warum ISO 9001 allein nicht ausreicht


ISO 9001 bildet eine solide Grundlage für Qualitätsmanagement, AQAP verlangt darüber hinaus:

  • projektspezifische Qualitätssicherungsplanung

  • strenge Konfigurationskontrolle

  • belastbare Nachweisführung

  • dokumentierte Verifikation und Validierung

  • formalisierte Abweichungs- und Freigabeprozesse bei Änderungen


Die Norm verschärft die Anforderungen an Transparenz und Steuerbarkeit – insbesondere in verteidigungsnahen Projekten.


Für das Management bedeutet das:

Ohne gezielte Integration in das bestehende Managementsystem entsteht zusätzlicher Aufwand, Reibung und Auditrisiko! Und eine „Parallelwelt“ (Trennung AQAP und ISO 9001) zu schaffen mit getrennten Systemen und diese über Jahre hinweg zu betreiben, ist keine wirkliche Option.


Daher kann das Zielbild nur sein: AQAP wird integriert ins aktuelle Managementsystem!


Die wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung ist nicht der Aufbau eines parallelen „AQAP-Systems“, sondern die Integration der Anforderungen in das bestehende Managementsystem. Das reduziert:

  • Doppelprozesse

  • Mehrfachdokumentation

  • Abstimmungsaufwand

  • Personalbedarf

  • Auditvorbereitungszeit

Und erhöht:

  • Projektsicherheit

  • Termin- und Lieferstabilität

  • Transparenz gegenüber Auftraggebern

  • Interne Flexibilität bei der Produktionsplanung und Besetzung von Rollen


Wirtschaftliche Bewertung


Die Entscheidung zur strukturierten AQAP-Integration sollte unter folgenden Gesichtspunkten bewertet werden:


Risiken bei Nicht-Umsetzung

  • Verzögerte Projektfreigaben

  • Vertragsstrafen

  • Reputationsverlust

  • Wiederholungsaudits

  • erhöhte interne Aufwände


Vorteile einer systematischen Integration

  • planbare Auditdurchläufe

  • stabile Projektsteuerung

  • reduzierte Rework-Quote

  • höhere Transparenz

  • bessere Kundenbewertung


AQAP wirkt bei richtiger Integration stabilisierend auf Projektstrukturen – insbesondere bei komplexen Entwicklungsumfängen. Erfahrungsgemäß ist die integrierte Lösung:

  • nachhaltiger

  • kosteneffizienter

  • risikoärmer


Teil 2: Strukturierte Roadmap zur Umsetzung


Ein praxiserprobtes Vorgehen umfasst folgende Schritte:


Projekt-Scope eindeutig definieren

  • Welche Produkte, Standorte und Prozesse sind betroffen?

  • Welche vertraglichen AQAP-Anforderungen gelten konkret?

Ziel: Klarer Anwendungsbereich – keine unnötige Systemausweitung.


Gap-Analyse auf Basis realer Abläufe

Kein Dokumentenvergleich, sondern:

  • Interviews mit Projektleitung und Entwicklung

  • Prüfung der tatsächlichen Freigabepraxis

  • Analyse der Versionsführung

  • Bewertung der Lieferantensteuerung

Ziel: Transparenz über reale Prozessfähigkeit.


Projektspezifische Qualitätsplanung aufsetzen

  • Quality Plan gemäß AQAP-Anforderungen

  • Definition von Prüfpunkten und Freigaben

  • Festlegung von Nachweisen

  • Umsetzung von AQAP im bestehenden Managementsystem

Ziel: Verbindlicher Rahmen für das Projekt.


Dokumentation schlank und operativ nutzbar im Managementsystem gestalten

Dokumentation dient der Steuerung – nicht der Archivierung.

  • klare Verantwortlichkeiten

  • eindeutige Versionierung

  • digitale Nachweisführung

Ziel: Auditfähigkeit ohne Bürokratieaufbau.


Geschlossene Nachweiskette sicherstellen

Für jede Anforderung muss nachvollziehbar sein:

  • Wer ist verantwortlich?

  • Welche Umsetzung erfolgte?

  • Welche Prüfung wurde durchgeführt?

  • Wer hat freigegeben?

Ziel: Vollständige Traceability.


Lieferanten risikobasiert steuern

AQAP fordert eine aktive Überwachung externer Leistungen.

  • Lieferantenklassifizierung

  • Prüf- und Abnahmeplanung

  • Dokumentierte Bewertung

Ziel: Minimierung externer Qualitätsrisiken.


Pre-Audit als Realitätscheck

Vor dem externen Audit durch die Güteprüfer:

  • Simulation der Auditkette

  • Stichprobenprüfung realer Projekte

  • Bewertung der Reaktionsfähigkeit

Ziel: Auditfestigkeit vor externer Prüfung.


Fazit


AQAP ist keine formale Erweiterung des Qualitätsmanagements. Es ist eine Verschärfung der Nachweis- und Steuerungslogik in sicherheitskritischen Projekten. Unternehmen, die AQAP strukturiert in ihr Managementsystem integrieren,

  • stärken ihre Prozessbeherrschung

  • reduzieren Auditunsicherheiten

  • erhöhen ihre Wettbewerbsfähigkeit im Verteidigungsumfeld


Die Umsetzung ist kein administratives Projekt sondern eine strategische Entscheidung zur Professionalisierung der Projektsteuerung und zu mehr Aufträgen aus dem Sektor.


GovernmentOS unterstützt die o.g. Vorgehensweise von Anfang an!

 
 
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